Wobble
Winning Moves
Geschicklichkeitspiel
Wackeliger Wagemut gewinnt
Schlägt man im Internet die einschlägigen Übersetzungshilfen auf und schaut nach der Bedeutung des Wortes Wobble, wird einem schnell klar, worum es bei diesem Spiel geht. Dort werden nämlich Flattern, Wackeln und, man höre und staune, Wobbeln als deutsche Übersetzungen feilgeboten. Eine mitunter nicht immer stabile und bodenhaftende Angelegenheit erwartet vier Spieler bei diesem, in dieser Form so noch nicht erschienenen Geschicklichkeitsspiel von Winning Moves.
Das Spielbrett muss mit zwei Handgriffen kurz zusammengesteckt werden, schon haben wir es mit einer labilen Unterlage zu tun, die in alle erdenklichen Richtungen ausschlagen kann. Vier Zonen oder Ecken bilden nun die Zielflächen, die es mit einem Ball, der zu Beginn in der Mitte des Spiels auf einer Art kleinem Thron sitzt, zu erreichen gilt. Konkreter: Nicht nur die Zonen, sondern die Löcher innerhalb derselben wollen mit dem Ball erreicht werden, auf das jener dort seinen neuen Sitz findet. Wer jetzt aber glaubt, dass sei damit zu erreichen, in dem man mit den Fingern jeweils auf die Enden des Spielfeldes drückt und somit den Ball in die Ecke schaukeln kann, der hat sich getäuscht. Deutlich engagierter und konzentrierter muss man vorgehen, strategisch geschickt und, wie der Pädagoge so schön sagt, mit Hilfe des Materials.
Dieses Material sind weiße Steine, die so auch beim Backgammon vorkommen können. Mit jenen nämlich beschwert man die Ränder des Spielbrettes und verlagert so das Gewicht der Spielfläche, auf das der Ball dann in die entsprechende Richtung rollen kann. Jeder Spieler würfelt zu Beginn seines Zuges und genau so viele Steine wie erwürfelte Augen darf er dann als Beschwerer einsetzen. Genau so gut darf er aber auch einen schon vorhandenen Stein – mit einem entsprechenden Hilfsmittel, einem kleinen Stab – entfernen. Ein Auf und Ab, nicht nur des Spielfeldes samt Ball, sondern auch der Emotionen und der Entscheidungen. Wo genau platziere ich meinen Stein, damit sich alles in die richtige Richtung bewegt?
Apropos richtige Richtung. Vier Farben haben die Ecken und vier kleine Pins in denselben Farben hat jeder Spieler auf seiner Seiter in einer bestimmten Reihenfolge im Spielbrett stecken. Von links nach rechts nun müssen diese Farben durch das Bugsieren des Balles in die Löcher abgearbeitet werden; wer dies als erstes geschafft hat, gewinnt. Aber Vorsicht, das hört sich leichter und schneller an, als es ist. Die durchschnittliche Spieldauer ist nicht umsonst mit 30 Minuten angegeben. Zu oft verhindert der Gegner mit der entsprechenden Beschwerung den eigenen Erfolg, hinzu kommen schlechte Wurfergebnisse. Mit einer Eins kann man eben nicht viel ausrichten. Und rollt der Ball dann endlich mal in die eigene Ecke, bleibt er genau in jener liegen, anstatt in das Loch zu wobbeln, dass etwas von der Ecke versetzt liegt.
Der Spielspaß erschließt sich direkt beim ersten Duell, obwohl die einfache Aufmachung und das sehr simple Spielprinzip erst einmal verwundern. Umso überraschender sind dann die Ergebnisse –es wird gelacht, gestritten, gewackelt, geschunkelt und: gewobbelt eben. Zwei besonders schwere Kegel können in einer Profivariante noch mit in die Beschwerung mit eingebaut werden; nicht nur, aber besonders Kinder werden an diesem Spiel ihre Freude haben, geschult wird hier räumliches und auch physikalisches Denken. Zu einfach kann man den verzweifelten Erwachsenen ein Schnippchen schlagen. Ein waschechtes Familienspiel ist Wobble, dem man, auch weil dieses Spielprinzip ganz neu ist, unbedingt eine Chance geben sollte.
Marco Gerhards
Wir danken dem Verlag/Hersteller für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!