The Whispered World

Daedalic Entertainment

PC-Spiel

Die zweite Realität – Ein „traumhaftes“ Computerspiel

Man muß es immer wieder tun. Jedes Mal, wenn man dieses süchtig machende, liebevolle und herrlich bebilderte Adventure spielen möchte, wenn man eintauchen will in die Welt der sprechenden Steine, der Asgil und von Shanta - all diesen sagenhaften Sagengestalten, die viel sagen und noch mehr anstellen. Jedes Mal also. Die drei bunten, magischen Steine nehmen und deren Runenzeichen so halten, dass die zum Start als Code angeforderte Aufgabe lösbar wird. Ein aufwendiger, liebevoller Knackpunkt, der den echten vom falschen Käufer unterscheidet und der, im Highspeed-Zeitalter, ungewöhnlich anachronistisch und anfangs gar nervig ist. 

Wer kennt das denn schon noch? Drehscheiben, Codetabellen, Eingangsfragen: all das gibt’s seit es gute Computerspiele gibt, nur die magischen Würfel sind neu. Und irgendwann auch richtig toll, denn sie sehen nicht nur hübsch aus, sondern sind aufgrund der Runen tatsächlich magisch und man gibt dem Sprecher recht: Erst wenn du dieses kleine Rätsel zu Beginn löst, hast du die entsprechenden Schutzgeister auf deiner Seite und bist würdig in diese fantastische Welt einzutreten. In jener ist alles bunter, größer, liebevoller, bizarrer, aber anfangs überhaupt nicht besser als sonst wo; im Gegenteil: wir schlüpfen in die Rolle des kleinen Zirkusjungen Sadwick, dessen Name Programm ist, bei dem man Angst haben muss, dass er sich nicht gleich vor den nächsten Zug wirft, der von schrecklichen Alpträumen geplagt wird und dessen Familie, der knurrige Ben und der senile Opa, alles andere als hilfreiche und liebevolle Ernährer sind.

Sadwick muß vielmehr mit lausigen und  gefährlichen Kanonentricks sein schönes Dasein für den grummeligen Ben aufs Spiel setzen und überhaupt, freundliches Miteinander sieht anders aus. Eine erste Alternative lernen wir aber ganz schnell kennen: Spot, der grünwurmige Begleiter wird getränkt und somit spielbar gemacht. Zak McCrackens Annie ist hier eine fiepende und äußerst veritable Zauberfigur. Spot trollt uns in jedes Bild nach und wenn wir mal irgendwo nicht ran- oder reinkommen, haben wir mit ihm die besten Optionen. Was uns zu den Rätseln bringt: Sie sind mittelmäßig, was unseres Erachtens optimal ist. Nervschwere Adventures sind was für Profis, jenes hier kommt in die Kategorie Halbprofi. Teilweise schwierige Suchbildaufgaben, aber passable Kombinationsschwierigkeiten. Aber Achtung: Zu leicht ist das hier nicht, es gibt, wie so oft, die Stellen, an denen du dir die Zähne ausbeißt und das, verehrte Adventuregemeinde, ist das wichtigste und wüzigste Salz in der Suppe dieser Traumwelt.

Die Ausstattung des von Daedalic produzierten Adventures genügt höchsten Ansprüchen. Neben der DVD, die übrigens hohe Rechenanforderungen möchte (aber auch bei niedrigeren Systemen mit geringen Abstrichen gut läuft) und den magischen Würfeln, gibt es ein Poster und ein gelungenes Begleitheft. Die Grafik reizt die Rechner aus und schafft ebne diese einzigartige Atmosphäre, die dazu führt, das wir uns in dieser Halbtraumwelt, in unserer zweiten Realität, wie zu Hause fühlen. Und das ist ja auch gut so, oder leben wir nicht um zu träumen?

Herausragendes Charakteristikum dieses mittlerweile mehrfach preisgekrönten Adventures ist meines Erachtens der Sound. Eine unheimlich dichte, verwobene und auf jede Lokalität herrlich angepasste Stimmungsfontäne, die die innere Urquelle jedes Mal aufs Neue zum adäquaten Sprudeln bringt. Sehr stark, so wie das ganze Set und: die magischen Würfel! Ohne die kommen wir nicht rein und sind wir nicht würdig. Richtig so, Magie will echte Adepten!

M Gerhards

 

Wir danken dem Verlag/Hersteller für die freundliche Bereistellung eines Rezensionsexemplars!