Wallace
& Gromit´s Grand Adventures
Urlaub unter Tage
Daedalic Entertainment
Ferien auf skurille Art
Die Stadt ist unbekannt, aber die Straße dafür umso präsenter: West Wallaby Street 62, lokalisiert in einer typischen englischen Kleinstadt, wo Reihenhäuser mit kleinem Garten sich aneinanderreihen wie Perlen an der Schnur. Die Insassen in der Nummer 62 sind neben ein paar gemütlichen Schafen die Animationshelden Wallace und Gromit. Letzterer ist die treue Hundeseele, die immer zur Stelle ist, wenn Wallace in die nächste Katastrophe hineinschlittert, die er aufgrund seines außergewöhnlichen Berufs als Erfinder nahezu täglich produziert.
Wallace und Gromit’s ist die erfolgreiche und sehr, sehr typische Serie aus good old England schlechthin. Five o´clock tea, Rauchschwaden aus Fabrikhallen, Nieselregen, Yorkshire-Akzent, dicke Tageszeitungen, Wallace mit häßlich grünem Pullunder und die Treppe mit einem Läufer mit ebenso unschönem Muster. Very british also und dazu grotesker Humor, den Fans der beiden Helden in Serien, Kurzfilmen und Kinostreifen seit 1989 goutieren. 2009 hat die federführende Produktionsfirma Aarmand Animation eine Adventureserie für den Computerspielmarkt entworfen, Daedalic bringt sie nun nach einem Jahr in deutscher Übersetzung in vier Tranchen in den nächsten Monaten heraus.
Los geht’s mit „Urlaub unter Tage“ (englisches Original: „the last Resort“), einer typischen Wallace & Gromit’s Geschichte, denn statt Urlaub an Englands Küste gibt’s Improvisation in Form von Sandsäcken aufgrund einer Unwetterüberschwemmung des Kellers. Nicht Blackpool, sondern Urlaub mit Badekleidung unter Tage heißt es nun also und der Spieler hat die Aufgabe, unseren beiden Helden dabei zu begleiten, alles Notwendige dafür zu besorgen (Strand, Strandausrüstung etc.); und zwar in klassischer Point-and-Click-Manier mit einigen, nun zu erwähnenden Ausnahmen.
Denn das Laufen funktioniert im Spiel nicht, in dem man mit Mauszeiger auf eine entsprechende Stelle zeigt, sondern mit den Pfeiltasten der Tastatur. Ungewöhnlich und gewöhnungsbedürftig, nicht schlimm, aber nicht wirklich am Puls der Zeit; auch das Inventar wird über die Tastatur, nämlich die Umschalttaste aufgerufen. Es wäre beides mit Maus machbar gewesen und darum verwundert uns diese Alternative. Dennoch: Die Steuerung ist, vergleichen mit den Anfängen des Genres, völlig ausreichend und nach ein paar Anfangsgrummlern läuft das Ganze reibungslos. Unterstützt wird die neue Beweglichkeit durch eine phänomenale Grafik, die wie bei den modernen Sportspielen ständig die Kameraperspektive wechselt, je nachdem wohin man sich bewegt. Das ist atemberaubend und ein absolutes Highlight dieses Spiels.
Sound und Sprachuasgabe lassen sich mit oder ohne Untertitel einstellen, auch die anderen bekannten Optionen jedes guten Adventures (Grafik, Speicheroptionen etc.) sind anwenderfreundlich ins Spiel integriert. Interessant ist die Möglichkeit, die Hilfe durch entsprechende Kommentare oder Hinweise von Seiten anderer Charaktere in fünf verschiedene Stufen einzustellen. Gut so, haben somit die Kleinsten wie die Adventurecracks an den Rätseln ihre Freude.
Besonders für Fans dieser schrulligen Serie ist dieses Adventure ein Muss, auch Freunde von „Sam und Max“ sollten zugreifen, denn ähnlich spaßig geht’s hier zur Sache. Wer die Steuerung integriert, darf sich auf ein ansprechendes, individuell einstellbares und technisch sehr ausgereiftes Adventurespiel freuen, dass noch im Laufe dieses Jahres von drei weiteren Episoden ergänzt wird. Darauf darf man sich jetzt schon freuen, bis dahin also Nummer Eins bitte durchspielen.
M. Gerhards
Wir danken dem Verlag/Hersteller für die freundliche Bereistellung eines Rezensionsexemplars!