The
Tales of Monkey Island
Daedalic
PC-Adventure
Beständig großartig!
Zumeist verlässt der Kapitän das sinkende Schiff und
schon bläst die Fanfare und der Kahn geht melodramatisch unter. Übertragen auf
mediale Highlights der Filmgeschichte ist zum Beispiel ein James Bond ohne Sean
Connery oder Roger Moore kein wirklich guter James Bond. So wäre es auch zu befürchten
gewesen, dass die unglaublich witzige und erfolgreiche Monkey-Island-Saga einen
herben Dämpfer erhalten hätte haben müssen, als Ron Gilbert, einer der führenden
Köpfe von Lucasarts in den Achtziger Jahren und der maßgebliche Erfinder von
Monkey Island, 1991 seinen Hut nahm. Doch weit gefehlt, mittlerweile sind drei
weitere Episoden erschienen und sie alle können den Vorgängern das Wasser
reichen.
Nach scheinbar ewigen zehn Jahren des Wartens ist nun der fünfte Teil in Deutschland und selbstredend auch auf Deutsch erschienen. Telltale Games hatte die Saga 2009 produziert und auf dem amerikanischen Markt veröffentlicht, Daedalic sorgte 2010 nun für die kongeniale Übertragung in die heimischen Gefilde. Erstes Fazit: Unglaublich gut! Daedalics Erfolgstory geht also nahtlos weiter, nachdem letztes Jahr mit A New Beginning ja bereits ein Highlight aus der Softwareschmiede nicht nur gute Kritiken, sondern auch begeisterte Spieler erreichen konnte.
Strukturell lehnen sich die Tales of Monkey Island an Sam & Max an und präsentieren eine Serie im Episodenformat, deren einzelnen Teile solitär anwählbar sind, und dennoch einem sinnvollen, chronologischem Handlungsstrang folgen: Launch of the Screaming Narwhal, The Siege of Spinner Cay, Lair of the Leviathan, The Trial and Execution of Guybrush Threepwood und Rise of the Pirate God machen ja schon vom Titel her klar, wie witzig und verrückt es weitergeht. Fangen wir doch einfach mal beim ersten Teil an: Der geliebte Guybrush muss direkt zu Beginn seine nicht weniger geliebte Freundin Elaine aus den Fängen des Dauerrivalen und, wie wir uns erinnern, Halbbruders von Guybrush LeChuck befreien, der ihr Schiff gekapert und sie gekidnappt hat. Malzbierzaubertrunk muss gemixt werden; in der typischen Point-and-Click-Manier, die, je moderner die Spiele werden, immer einfacher und anwenderfreundlicher wird.
Zwei Neuerungen fallen auf: Zum ersten läuft die Bewegungssteuerung nicht mehr nach dem Motto Anvisieren und Anklicken, sondern mit Mausknopfhalten und den dreidimensionalen Charakter in die entsprechende Richtung steuern. Kurz gewöhnungsbedürftig und schon geht es munter weiter. Zweites neues Highlight; die verdammten Schiffe wackeln und so ist jedes Anklicken ein Heidenmanöver – nicht nervig, sondern realistisch und, wie so oft, einfach nur witzig.
Wer gedacht hätte, dass bei anderen Entwicklern der Spaß, das Charisma und der Irrsinn dieser erfolgreichsten aller Adventureserien vorbei sind, der hat sich dreiköpfig und -affig getäuscht. Die Witze sind absolute Extraklasse, schon in den ersten Szenen kann kübelweise Tränen gelacht werden. Steuerung, Handlung und Rätsel sind absolut up to date und perfekt. So wundert es eben auch nicht, dass auch der fünfte Teil, zumindest in den amerikanischen Reviews, erste Höchstnoten bekommen hat, in Deutschland darf es bitte nicht anders sein. Wir verteilen zumindest schon mal die größte Punktzahl – dieses Spiel darf keiner verpassen, der sich für Point-and-Click-Adventures interessiert. Daedalic hat es nun endgültig gemeistert – die Topadresse für Adventures in Deutschland zu sein. Herzlichen Glückwunsch zu diesem Highlight.
Marco Gerhards
Wir danken dem Verlag/Hersteller für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!