Tale
of a hero
Daedalic
Entertainment
PC-Spiel / Adventure
Ein Held, zwei Frauen und ganz viel Humor
Das Ledertuch über dem Eingang, es ward zum ersten richtig großen Schocker, zum Ärgernis und zum nervtötenden Stressereignis. WO ist das verflixte Ding? Suchen und hilfloses Klicken, sowie die üblichen hirnrissigen, hilflosen und bescheuerten Verbindungen zwischen Items, die nie und nimmer zusammengehören. Verbinde Seil mit Schüssel oder Messer mit Wein und ähnliche Krankheiten. Ach so, falls es noch niemand bemerkt hat – wir sind mal wieder in einem richtig guten und vor allen Dingen lustigen Adventure gelandet: Tale of a hero, das laut Produzenten an Nibiru erinnern soll; doch schon der Einstieg macht klar: wenn schon Referenz, dann Guybrush Threepwood und sein Gegenspieler und Halbbruder Chuck - Der Monkey-Island-Style is back.
Wer dann übrigens das Leder kurz unterm Himmelszelt gefunden hat, es durchschnitten und das Sonnenlicht hineingelassen hat, der hat Krugell Feuer unterm Arsch respektive eben Sonnenlicht ins Auge gemacht und die Einstiegssequenz, die aber weit mehr ist als ein leichtes Vorgericht, hinter sich gebracht. Das Monster ist befriedet – und nicht getötet, wie der lustige und listige Rauchgeist es wünschte – und das eigentliche Abenteuer kann beginnen. Eine Geschichte von Heldenmut, Fabelwelten und einem Mann, der zwischen den Frauen steht und sich bei all dem, doch fast so slapstickmäßig komisch anstellt wie sein Gevatter Guybrush.
Nun gut, der Vergleich ist natürlich etwas übertrieben, aber dennoch kommt dieses Spiel richtig gut weg. Vor allen Dingen gilt es zu bedenken, dass beim Produzenten Daedalic eine gut umgesetzte Maßnahme Gültigkeit besitzt: Mit wenig Aufwand besonderes viel zu erreichen, also ohne große Werbung, ohne umfassendes Booklet, ohne berühmte Synchronisationssprecher und ohne Einleitungsfilmchen auszukommen – stattdessen wird ratzfatz gespielt und das auf konstant hohem Niveau mit nicht zu leichten Rätseln, Charme, Witz und gerne auch mal einer kleinen Portion Sex. Kein Wunder, es müssen Prinzessinnen gerettet werden.
Komplett mit Maus steuerbar ist das Spiel und auch nur ein einziger Klick genügt fürs Sprechen, Aufgaben lösen, Kombinieren etc. Was waren das für Zeiten, auch bei Monkey Island übrigens, als wir uns vorher überlegen mussten, ob wir sprechen, öffnen oder schließen wollen. Was für ein herrlicher Kombinationsblödsinn damals möglich war, der heute leider nicht minder optional ist. Trotzdem ist’s gut, dass Gegenstände, die wir gebraucht haben, aus dem Inventar verschwinden und wir nicht stundenlang Alternativen ausprobieren müssen. Gegenstände verbinden und anklicken und fertig – und wer meint das sei leicht, der spiele und staune.
Man könnte dem Hero und seiner Tale, seiner Legende also, höchstens ankreiden, dass es schon wieder mit Seilen, Messern und Schüsseln operiert – mit den Gegenständen also, mit denen gefühlte neunzig Prozent aller Adventures arbeiten. Aber das wäre nicht gerecht, denn Schauplätze und Hintergrundgeräusche sind Extraklasse, die Rätsel sind logisch und schlüssig und die Handlung herrlich, herzlich und humorvoll. Zu diesem Preis ein richtig toller Abenteuerspaß, der das Zeug dazu hat in die Liste der großen Epen des Genres einzugehen. Zumindest aber schon mal das beste klassischste Adventure des Jahres - neunzig von hundert Punkten.
Marco Gerhards
Wir danken dem Verlag/Hersteller für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!