Space Alert
Heidelberger Spieleverlag
Brettspiel
Der Weltraumtraum
Kooperation im Hyperspace
„Beam me up Scotty“ ist einer jener legendären
Fernsehmomente, der in den Tiefen der 1970er Jahre und der Unendlichkeit des
Kosmos gleichzeitig zu Hause ist. Von kurzzeitiger Dematerialisation ist da die
Rede. Das war und ist schwer vorstellbar, aber im Rahmen relativistischer
physikalischer Grundvorrausetzungen theoretisch zumindest nicht allzu weit
hergeholt. Tja, die relativen Gesetzmäßigkeiten der Milliarden von Galaxien
sind unermesslich und einmal dort eintauchen zu dürfen, einmal nach oben oder
unten gebeamt zu werden, ist nicht nur der Traum jedes Trekkies, sondern auch
der hundsgemeiner Erdenbürger, die Spaß haben an kosmischer Entdeckungsreisen.
Großes Glück nun also für
alle Neugierigen: Im Rahmen komplexer, liebevoller und umfangeicher
Spielsimulationen, die ohne technischen Schnickschnack und hochauflösende
Grafiken zu Hause am Küchen-(wahlweise Esszimmer-)tisch gespielt werden können,
lockt „Space Alert“ aus dem Heidelberger Spieleverlag die extrastellaren
Massen und geizt dabei nicht mit Waffen, Reaktoren,
Schutzschildern und allem anderen, was man so im kosmischen Überlebenskampf
braucht. Federführend bei der Entwicklung dieses bereits in Fankreisen sehr
geschätzten und ausgezeichneten Spiels ist der tschechische Spielerfinder
Vladimir "Vlaada" Chvátil, der mit dieser Kreation Rabatz macht wie
Luke Skywalker auf Speed.
Zur Story: In der berühmten fernen Kosmos-Zukunft senden die Menschen Raumschiffe der Tontaubenklasse via Hyperspace in entlegene Teile des Weltraumes, wo sie genau zehn Minuten verweilen dürfen, um das Raumschiff (und dadurch sich selbst) gegen alle möglichen Angriffe und sonstigen Probleme zu schützen. Dabei ist Kooperation das Maß aller Dinge, die Crew sollte ihre Powerpunkte der Waffen gemeinsam nutzen, um fette Kriegsgeschwader gemeiner Aliens abzuwehren. Dabei sind kommunikative Besprechungen vonnöten, denn wer geht an die linke Kanone, wer an die rechte, wer beamt sich nach oben und wer kümmert sich um Energienachschub. Ein riesiges Durcheinander, dass einen Captain und einen Kommunikationsmanager braucht, und die von vorneherein erst mal festgelegt werden sollten.
Bei weniger als vier Spielern übernehmen Androiden (wie niedlich) die Rolle der fehlenden Menschen, so dass also immer mindestens vier Besatzungsmitglieder Teil der Crew sind. Die Androiden werden dann von allen anderen Spielern gemeinsam gesteuert. Das Spiel gliedert sich in zwei Phasen, die erste zehnminütige des Planens und Aktionskartenauslegens und die zweite des Ausführens, wo sich zeigt, ob all die Berechnungen und Kommunikationstrategien richtig tragen.
Phase 1 wird, wenn möglich, von
einer Sprach-CD gesteuert, die Meldung macht, was, wann getauscht werden darf,
welcher Feind näher kommt, etc. Das kann aufregend werden, wenn man zum
wichtigen Kartentauschen (ist untereinander durchaus möglich) knackige fünf
Sekunden Zeit hat. Und schwierig, und der eigentliche Clou des Spiels ist es
auch. Viele Bewegungs- und Aktionsrunden im Voraus zu planen erinnert an
Schachgroßmeister, die ja auch schon mal komplett in Rage geraten können. Viel
Spaß also dabei und beim gemütlichen Zurücklehnen, wenn man dann Bestaunen
darf, was man alles hätte besser machen können.
Doch so tragisch muss es ja
nicht immer laufen, Einsteigermissionen und Simulationen dienen dazu, das Spiel
und seine Tücken kennen zu lernen. Besonders sympathisch ist das
Einsteiger-Manual, das in einer Mischung aus fiktivem Storytelling und
Spielanleitung relativ leicht und konkret in die Materie einführt, peu a peu
Spiel- und Handlungsrahmen erweitert, und so die Chance zum stressfreien
Kennenlernen bietet. Das ist methodisch sehr weit vorn und wird zukünftig auch
bei vielem anderem Spielen gewünscht.
Fazit: Ein Mischung aus Rollen-
und Simulationsspiel, das in kürzester Zeit gelernt werden kann und ebenso
rasch und zügig gespielt werden will. Die kooperativen, die mathematischen und
auch die graphischen Ideen sind bestens umgesetzt und laden zu starken
Spielabenden. Gewinner sind entweder alle oder keiner, auch das eine pädagogisch
wertvolle Maßnahme für alle Altersklassen. Beam me up Scotty to the universe
of games, damit ich dort „Space Alert“ finden kann, das auch in ferner
Zukunft noch begeistern wird.
Marco Gerhards
Wir danken dem Verlag/Hersteller für die freundliche Bereistellung eines Rezensionsexemplars!