Snapshot
Brettspiel
- Wenn schnippich kein Schimpfwort mehr ist
Als ausgebuffter Rezensent schaue ich als Erstes immer mal im Internet nach, was ich denn so an Zusatzinformationen, zu Autor und Verlag finden kann. Zum genialen und kundenfreundlichen, der Welt die Siedler überbrachten Spieleschmiede Kosmos aus dem Schwabenland, muss man ja nichts mehr sagen, zu Rüdiger Dorn könnte man ganz unaufgeregt anmerken, dass er ein deutscher Spieleautor ist. Wie bitte? Ist das denn nicht klar? Doch, das schon, aber wir übernehmen hier einfach nur die Bedeutung, die Wikipedia diesem Erfindergenius übertrug. Dort findet sich nämlich ein Eintrag über den Herrn Dorn, als einen begnadeten Spielerfinder, der drei Kinder hat und in der Nähe von Nürnberg wohnt. Interessant und informativ, Dorn ist also zumindest eine überregional bekannte Größe, die sich nun folglich an diesem Status messen muss. Korrekterweise muss dies nicht er, sondern sein neuestes Spiel Snapshot.
Wie der Name dem Englischkenner schon suggeriert, handelt
es sich hierbei um ein Geschicklichkeitsspiel, bei dem kleine Holzscheiben durch
die Gegend geschnippt werden, um bestimmte Objekte zu treffen oder auf
speziellen Aktionsfeldern liegen zu bleiben. Es ist natürlich nicht das erste
Schnippspiel, Carabande war bekanntermaßen das große Highlight dieser Serie,
aber aufgrund seines Spielaufbaus und seiner Kombination mit den einzelnen
Aufgaben und den verschiedenen Hindernissen ist es doch etwas ganz Besonderes.
Wie funktioniert es? Die eminent wichtige Bande und die erstaunlich kleine
Spielfläche dürfen selbst gebaut werden, indem die Seitenränder des
Spielplans hochgeknickt und mit Plastikklammern fixiert werden. Gleiches
passiert mit dem Mittelteil, in dem ein Ring entsteht, in den gerade nicht
benutzte Plättchen und ein Stab abgelegt werden.
Jeder Spieler erhält zu Beginn des Spiels einen Satz
Auftragskarten, die angeben, wo was hinzu schießen ist. Dabei muss die eigene
Scheibe entweder an eine andersfarbige geschnippt werden oder auf einem
Aktionsfeld liegen bleiben. Sie kann aber auch in einer der drei farbigen Ecken
landen, so dass man entsprechende „Glitzersteine“ sammelt, die immer Teil
der Gesamtaufgabe darstellen. Ist alles eingesammelt bzw. abgegrast, zurück ins
graue Startfeld und Tusch und Lorbeerkranz in Empfang nehmen. Vom Prinzip her
simpel, von der Methodik her vielschichtig dank der unterschiedlichen
Hindernisse und Zielfelder, mit denen auch weitere Aktionen wie ein Doppelzug
oder eine Behinderung des Gegners ausgelöst werden können. Gutes und
spannendes Grundgefühl also.
Was zeichnet Snapshot zudem aus? Im Gegensatz zu Carabande oder anderen Schnippspielen, bei denen man sich immer einen größeren Tisch und längere Körperhebel wünschte, braucht dieses Dornspiel nur den Platz, den das Spielbrett vorgibt. Durch die stabile Bande können die Scheiben mit ordentlichem Tempo umher geschossen werden, alles bleibt im Spielfeld (mal abgesehen von den üblichen chaotischen Ausreißern) und die Muskulatur kann ruhig und nahezu entspannt bleiben. Das liegt auch daran, dass Dorn mit der Sammelbox in der Mitte eine intelligente Lösung für sämtliche Glitzer- und Bonussteine gefunden hat, die auf dem Spielfeld nur unnötig im Weg lägen.
Fazit: Snapshot ist ein toller Typ unter den Geschicklichkeitsspielen, denn das abgegrenzte Spielfeld ermöglicht sowohl eine vorsichtige als auch eine aggressive Spielweise. Das gefällt nicht nur klein und groß, sondern auch zwei bis sechs Spielern, die sich auf eine durchschnittliche Spiellänge von 30 Minuten freuen können. Eine schnelle, schnippige Partie zwischendurch ist also immer drin.
Marco Gerhards
Wir danken dem Verlag/Hersteller für
die freundliche Bereistellung eines Rezensionsexemplars!