„Schlag den Raab“ – Das Spiel
Brettspiel
Adaption in Perfektion - Raabs
Kultshow wird zum Kultspiel
Planbar ist so etwas nie und trotzdem hofft jeder
Spielehersteller auf den großen Wurf. Häufig kommt der unverhoffte Segen aus
dem Nichts mit einer genialen neuen oder clever adaptierten Idee. Alsbald gibt
es hohe Auszeichnungen, Fanclubs und organisierte Spielevents und zahlreiche
Sequels und Ergänzungsspiele müssen produziert werden. Im folgenden Fall ist
das die logische Folge, weil vom Publikum es so gefordert wurde; der Marktanteil
in der Zielgruppe ist eben entsprechend hoch. Nun sind beide Aspekte aufs
Vortrefflichste kombiniert. Die Fernsehvorlage, die aufgrund von Zuschauerzahlen
attraktiv, spannend und unheimlich beliebt vorlegt, und die Spieleadaption, die,
daher der Einstieg, trotz oder vielleicht gerade wegen ihrer ganz besonderen
Eigenarten einer der Spielehits dieses Jahres zu werden gedenkt.
Stefan Raab gelingt, je älter er wird, mehr Substantielles
und gesellschaftlich Geachtetes. Dass Raab sich nach fiesen Pöbelattacken in
seinen Viva-Kultsendungen gegen Moses Pelham von jenem in den 1990er Jahren den
Mund dick schlagen lassen ließ, um danach mit den Narben posieren zu gehen, war
jugendlich schick und dennoch verantwortungsvoll. Aber richtig ernst nehmen
konnte man ihn noch nicht, auch mit seiner TV-Total-Show blieb er im Fahrwasser
der „Cheezyness“. Mit der wohl gigantischsten aller Fernsehshows, dem Schlag
den Raab-Wettbewerb, etablierte sich aber ein Entrepreneur, der nicht nur sämtliche
Regeln des Fernsehmarktes geschickt zu nutzen wusste, sondern auch jemand, der
wusste, wie man Menschen unterhält und bindet. Dass er Musik machen und
verstehen konnte, gehörte von jeher zu seinen guten Tugenden, mit Lena von Oslo
nach Hannover auf den roten Teppich zu fliegen, war dermaßen imposant, dass man
deren Kraft momentan wohl noch immer nicht fassen kann.
Das große Spektakel des Stefan Raab jetzt in der Brettspielversion ist wohl eine der besten Adaptionen, die der Spielemarkt je gesehen hat. Abgesehen von „Wer wird Millionär“, und auch das nur mit Abstrichen, gehen Fernsehshows oder –serien im Spielemarkt unter, leben schlichtweg von dem guten Vorbild. Dieses Spiel hier hat das Vorbild bestens genutzt, es geht ja ums Spielen, um den Wettkampf und das Messen mit Anderen. Dazu haben die Autoren nun 36 Kleinspiele bereitgestellt, die alle in diese Packung passen und nur von weitem an Sielesammlungen der 1970er Jahre erinnern. Das Grundprinzip bleibt klar: Einer wird als Stefan erwählt, die andere können dann abwechslend gegen ihn antreten, mit dem Punkte- und Regelsystem, das aus der Show bekannt ist. Auch bei zwei Spielern funktioniert das Ganze natürlich prächtig, abgesehen von einigen wenigen Spielen, die drei Spieler benötigen.
Je nach Lust und Laune, kann man die Spielzeit zwischen 45
und 120 Minuten einstellen, die Spiele selbst werden durch ein Glücksrad
ausgelotet. Und schon geht’s ans Zocken. Abgesehen von den wirklich großen
Actionnummern (über Hochseile hangeln oder in Wasserbottiche tauchen etc.) ist
der ganze Spaß und die Aufteilung in Action, Geschicklichkeit und Köpfchen
wunderbar aus der Show übernommen. Zahlreiche Kartenspiele und –fragen bilden
ein gelungenes Gegengewicht zu Schnippspielen (deren es viele hat, die aber alle
herrlich intelligent aufgemacht sind), Pusteballspielen
(Kindergeburtstagsklassiker) oder verqueren Laufspielen (mit einem Ei zwischen
den Knien um den Tisch herum). Das sorgt für Spaß, für Abwechselung und für
ganz viel Unterhaltung.
Die liebevolle Aufmachung und die Intelligenz bei der Idee jedes Spiels sind das eigentliche Schatzkästchen dieser famosen Zusammenstellung. Das ist für jung und alt spielbar und fordernd; für schnell und langsam, für dick und dünn, ein rundum integeres Spielchen. Zahlreiche Optionen mit Mitspielerin, Gruppenbildungen, Reihenfolgen und Zusatzspielen sind noch nicht einmal in den Regeln erwähnt, aber jederzeit machbar, was einen weiteren Pluspunkt dieses Sets ausmacht. Schon möglich, das ist unsere Ahnung, dass hier ein Spiel entstanden ist, bei dem ganz bald die spielende Meute nach Ergänzungskarten bei den Fragen und Wissensspielen schreit. Sie wollen mehr, sie kriegen hoffentlich mehr. Volle Punktzahl für ein volles Vergnügen.
Marco Gerhards
Wir danken dem Verlag/Hersteller für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!