Rhiannon – Geister der Vergangenheit
Prime Games
Point and Click Adventure
Die Kälte der Kelten erfahren
November, Halloween, Zeit der Geister. Die Kelten nannten diese Periode nach ihrem Totengott Samhain; das wichtigste und das Jahr eröffnende Fest des alten, magischen Zyklus. Kein Wunder also, dass neben Kostümen, falschen Vampirzähnen und der siebzehnten Wiederholung von Dracula im Fernsehen auch die Spieleschmieden sich von diesen Kräften inspirieren lassen. Die Independent-Entwickler von den Arbeth-Studios entwickelten bereits 2009 das Spiel Rhiannon, damals unter dem Titel Der Fluch der vier Zweige. Die Daedalic-Tochter Prime Games bringt es in Premium-Version überabreitet als Die Geister der Vergangenheit pünktlich zur dunkelsten Gespensterzeit auf den Markt.
In Frankreich heimste die ursprüngliche Fassung in einer Fachzeitschrift sensationellerweise sogar den Titel des Adventurespiel des Jahres ein. 2009 war das, die erste Version war gerade erschienen. Es mangelte, speziell in Deutschlands Fachkreisen, aber auch nicht an Kritikpunkten, gerade in Bezug auf Spielsteuerung und Gameplay. Seid beruhigt Adventure-Gemeinde, es ist alles neu arrangiert, und glücklicherweise zum Besten für Euch. Eine interaktive Karte zur besseren Orientierung, optionale Hinweise, wenn es allzu schwierig wird, dazu sowieso die klassischen Point-and-Click-Nettigkeiten. Einfaches Bewegen mit der Maus, benutzbare Gegenstände, die entsprechend anvisiert werden können und sichtbar sind. Besonderheit hier: Es können nur Gegenstände aufgenommen werden, die man auch in dem Moment des Spiels brauchen kann.
Das ist zwar nett und letztlich auch sehr löblich, aber gibt es denn nichts witzigeres als seit Guybrush Threepwoods Zeiten Gegenstände benutzen zu wollen, die gar keinen Sinn ergeben? Nun ja, diese Version spart Zeit und Nerven, es ist edel und schützt mich vor meiner Tumbheit, aber gerade bei Daedalics Meilenstein A New Beginning sei nochmal auf die allzu witzige Sprachausgabe hingewiesen, wenn man wieder mal den unsinnigsten Mist ausprobiert. Besser als jede Sitcom! Nun aber zurück zu den Geistern, von der Story war noch nicht die Rede.
Eine Familie mit Tochter (Rhiannon) erwirbt ein walisisches, fei stehendes Anwesen, auf dem es, wie sich schnell herausstellt, nicht mit rechten Dingen zugeht. Die Tochter bekommt Alpträume und ist kurz vor dem Wahnsinn, ein befreundeter junger Mann, Chris, wird gebeten dort, doch einmal nachzusehen, die Familie reist ab, der Spieler alias Chris darf nun ganz gemütlich, eher ungemütlich, durch dieses dämmerige Anwesen wandeln, Räume erforschen, Gegenstände sinnvoll benutzen und die obligatorischen Minispiele knacken, die in diesem Game auch recht variabel in Form von Zahlen-, Musik-, Sprach- und Kombinationsrätseln angeboten werden.
Rhiannon ist einfach ein gutes Adventure. Schmaler Preis, logische Entwicklung und gute und anspruchsvolle Rätsel. Und mit der optionalen Hilfe muss man auch nicht verzweifeln. Grafik und Sound sind eher Durchschnitt, aber geben der gruseligen Atmosphäre das gewisse kalte Etwas. Die keltische Mythologie, die aufgrund des Ortes mit in die Story eingebaut ist, ist selbstredend das schönste Geschenk. Freunde, es ist Samhain, Novemberanfang und näher kann man den Geistern nicht kommen. Sagen die Kelten, und die mussten es wissen. Kontakte erwünscht, Rhiannon als erste Option sei empfohlen.
Marco Gerhards
Wir danken dem
Verlag/Hersteller für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!