Monopoly Revolution

Hasbro

Brettspiel 

Zum Glück nur eine Revolution der feinen Art

Revolutionen beziehen sich immer auf bereits feststehende Größen. Auf Strukturen, die gewachsen sind, die mächtig und einnehmend sind. Monopoly ist so eine Art Institution. Seit den 1930er Jahren ist das aus Amerika stammende Brettspiel um Moneten und Immobilien das erfolgreichste seiner Art. Jeder kennt es, jeder liebt es und jeder hat es in seiner Sammlung. Abgesehen von neuem Design und speziellen Varianten (deutsche  Städte etc.) hat sich an diesem unschlagbaren System nicht viel geändert. Und jetzt das: die Revolution, die Überführung des Kultspiels in die Moderne des 21. Jahrhunderts. Und das auf ganz technizistische Art und Weise.

Vorab aber schon mal eine kleine Entwarnung für alle diejenigen, die befürchten, dass ein ähnliches Erdbeben einschlagen könnte wie in den 1980er Jahren, als Coca Cola seine Geheimrezeptur veränderte und Tausende von Menschen auf den Straßen protestierten. Apropos Achtziger: Anti-Monopoly kam damals auch auf den Markt; kein schlechtes, aber letztlich auch kein überzeugendes Gegenargument. Da mundet die neue Revolution doch um einiges besser. Ganz einfach deshalb, weil man mit Hilfe von technischen Verfeinerungen einige unliebsame Nervereien verbannen konnte. In erster Linie einmal das Geld.

Wie jetzt? Kein Geld mehr bei Monopoly? Das geht doch gar nicht. Stimmt, deswegen ist das Geld jetzt auch da, wo es bei jedem Ottonormalverbraucher unsere Tage auch ist: auf einer Plastikkarte. Und genau die und das entsprechende Lesegerät rücken beim neuen Monopoly in den Mittelpunkt. Das Spielfeld ist rund, beinhaltet aber noch alle altbekannten Felder (bis auf zwei weitere Versorgungswerke) und in der Mitte thront die neue Maschine, die mit drei kleinen AAA-Batterien betrieben werden muss und dem Spiel die bisweilen öden Geldangelegenheiten abnimmt und darüber hinaus die Ereigniskarten bereit hält.  Klingt kompliziert, ist es aber nicht. Wie ehedem wird schön gewürfelt und brav vorwärts gezogen. Auf den Feldern kann man entsprechend Straßen oder Bahnhöfe kaufen oder muss Miete bezahlen. Und dann steckt man eben meine Plastikkarte in den Schlitz, gibt den Betrag ein, fertig. Praktischerweise gibt es einen Schlitz für Haben und einen für Soll, so dass bei einer Transaktion zwischen Mitspielern beide Karten aktiv werden – der eine bekommt, der andere gibt. Das gilt auch für die nach wie vor spannenden Verhandlungen innerhalb der Runde, wenn es um das Hin- und Hergeschiebe der Straßen und Bahnhöfe geht.

Strategisch neu sind auf den ersten Blick zwei Sachen. Nämlich die Zonenfelder, die ehedem die Ereignisfelder darstellten. Man kann auch weiterhin eine dieser Karten ziehen (maschinell allerdings), diese gilt dann aber für alle Spieler der jeweils ausgewählten Zone. Oder man kann, das macht das Spiel schneller, zur Versteigerung des nächsten freien Feldes springen. Und genau dieser Kniff hat gefehlt, um Monopoly nicht zum Endlosspiel werden zu lassen; so muss man nicht mehr warten, bis endlich jemand auf die letzte freie Straße kommt. Eine gelungene Regeländerung zweifelsohne, die durch das Erzwingen eines Deals, wenn nämlich alle Straßen verkauft wurden, noch geschickt erweitert wird. Spieler müssen dann freie Straßen abgeben, wenn man das Pech hat ausgewählt zu sein.

Ein zweiter neuer Schachzug ist meines Erachtens etwas schade. Denn, so haben wir das zumindest generationenlang gespielt, fehlt jetzt durch die Bankmaschine die Möglichkeit, die Strafen und Steuern, die wir auf Frei Parken, den Pott, legten, einzukassieren. Frei Parken wird jetzt also das, was es dem Namen nach auch ist. Dieser kleine Nachteil wird von den vielen Vorteilen deutlich ausgemerzt. Das Spielfeld ist übersichtlich, die Karten handhabbar, alles sauber und anwenderfreundlich präpariert, die Maschine der grundlegende Ordnungsfaktor mit, wenn man so will, musikalischer Untermalung. Hübsches Gimmick, das Extrapunkte bringt.

Die Revolution ist letztlich also eine technische, auf die man sich unbedingt einmal einlassen sollte. Es spielt sich flüssiger, es spielt sich schneller, vor allen Dingen mit den neuen Zonenregelungen. Aber verehrte Freunde des guten Spiels: Die Schillerstraße liegt immer noch neben der Lessingstraße und deren Farbcode ist Gelb und sie sind, vom Preis- und Leistungsverhältnis, immer noch sehr zu empfehlen. Wer bankrott geht, ist raus, wer übrig bleibt, ist Millionär, Potentat und Kapitalist in Reinform. Und leider oder glücklicherweise ist es ja nur ein Spiel. Aber was für eines!

Marco Gerhards 

 

Wir danken dem Verlag/Hersteller für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!