Monopoly Deutschland

Brettspiel

Hasbro

Saarbrücken – die deutsche Schloßallee

Ein Klassiker ist ein Klassiker und eine Legende ist eine Legende. Und Monopoly steht wahrscheinlich über beidem uns ist eben Monopoly. Mäuse und Moneten, Kapitalismus in seiner Reinform und ein einfaches Spielprinzip. Im Kreis um den Block laufen, an Gefängnissen vorbei, über einfache und exquisite Straßen flanieren, Bahnhöfe aufsuchen, Steuern zahlen oder Wasser- und Elektrizitätswerke anwerfen. So geht’s zu in unseren Städten und so simpel wie genial wurde dieses Spielprinzip aufs Brett kopiert. Seit fast neunzig Jahren (nicht zufällig entstand es in der großen Phase des weltweiten Finanzimperialismus und seines ersten und größten Untergangs) rockt das Spiel.

Logischerweise gibt es mittlerweile zahlreiche Neuauflagen, verbesserte Versionen, Sondereditionen, Kartenspiele auch sonst noch viele weitere Merchandising-Produkte. Das wichtigste sind natürlich die Spiele und vor allen Dingen das pfiffige Monopoly Revolution hat momentan den aktuellen Superstandard gesetzt. Die deutsche Version, die hier getestet wird, orientiert sich hingegen noch am klassischen Spielprinzip. Das heißt: Papiergeld sowie Ereignis- und Gemeinschaftskarten, natürlich in moderner und sauberer Aufmachung. Auch die neuen Spielfiguren passen sich dem Trend an: Hamburger, Inliner oder aber auch ein aufklappbares Handy wecken bestimmt beim ein oder anderen genau so die Lust auf Identifikation wie seinerzeit Kleeblatt oder Glückshut.

Von den Regeln und auch von den Feldern her hat sich also beim deutschen Monopoly nichts geändert; das einzige, was das Spiel neu belebt, dafür aber auch gleich zentral neu ausrichtet, ist das Layout mit dem Inhalt, dem Fieltstück, der Straßen und Bahnhöfe. Denn in einer großen Umfrageaktion haben die Hersteller die deutsche Bevölkerung selbst wählen lassen, welche Städte bedeutend genug sind, um dabei zu sein, und auch welche Sehenswürdigkeit es auf das Spielbrett schaffen sollten. Dass ausgerechnet das Saarbrückener Schloss die Schloßalle ersetzt und das Brandenburger Tor auf die Parkstraße versetzt wird, ist natürlich eines der interessantesten Geheimnisse deutschen Umfrageverhaltens, aber gut, so ist es nun einmal.

Alle anderen Städte (unter anderem Heidelberg, Düsseldorf, Bremen, München, Regenburg etc.) und ihre Berühmtheiten machen Sinn, eine Reihenfolge daraus ableiten zu wollen, ist natürlich subjektiv; zum Spielen genügt es eben einfach zu wissen, dass Heidelberg und Mannheim die billigsten Straßen ersetzen und Saarbrücken und Berlin die teuersten. Ungeschickt ist meiner Meinung nach, dass drei Städte der berechtigten Auswahl der Bahnhöfe (Leipzig, Hamburg, Köln und Nürnberg im Rahmen der Himmelsrichtungen) danach noch mal auf den Straßen auftauchen – das ist verwirrend und hätte man smarter lösen müssen.

Stark hingegen die neue Anleitung, die gut geschrieben und richtig schön verständlich und handhabbar daherkommt. Diejenigen wenigen Außenseiter, die noch nie Monopoly gespielt haben, kommen hier also auf ihre Kosten. Als persönlicher Tipp sollte man aber auch weiterhin, obwohl es  in keiner Anleitung zu finden ist, die Frei-Parken-Regel dahingehend verändern, dass dorthin alles zu zahlende Geld an die Bank (Zahle Steuer etc.) geht, und derjenige Glückliche den Jackpot bei Betreten des Feldes abräumt. War und ist immer ein gnadenvoller Moment des Spieles, wie überhaupt das Spiel viele solcher Monate bereit hält. In dieser modernen, upgegradeten Version für alle Geographie-, Deutschland- und Monopoly-Freaks eine Entdeckung wert.

Marco Gerhards

Wir danken dem Verlag/Hersteller für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!