Kniffel Extreme

Würfelspiel

Schmidt Spiele

 

Grandioses Upgrade für einen Klassiker

Eine gefühlte Ewigkeit ist es nun schon her. Zumindest aber ein gutes halbes Jahrhundert, dass ein Würfelspiel alle Familienzocker von klein bis groß, von jung bis alt und von offensiv bis nachdenklich in seinen Bann zieht. So gut lief das 1956 von dem Amerikaner E.S. Lowe erfundene Würfelspiel „Yahtzee“, das in den 1970ern von Schmidt Spiele auf dem deutschen Markt in Kniffel getauft wurde, das bislang niemand auf die Idee kam, dieses Spiel zu erweitern oder zu verbessern. Warum auch? Dieses einfache, aber geniale Spielprinzip funktioniert noch heute wie geschnitten Brot und nur unnötige Plagiate mit seltsam anmutenden Kunstnamen versuchen, zumeist erfolglos, auf dieser Welle mit zu schwimmen. Nun aber gibt’s die große Überraschung ein halbes Jahrhundert nach der Erstauflage: ein erweitertes Spielprinzip, ein erweiterter Name: Kniffel Extreme!

Und das Extreme Kniffel macht einen extrem guten Eindruck. Einen solch umwerfend guten Eindruck, den selbst die größten Optimisten nicht für möglich gehalten hätten. Das Spiel wurde tatsächlich genial erweitert. Mit einem weiteren Würfel, einem Dekaeder, der die Zahlen von 0 bis 9 beinhaltet und Spielchips, deren drei jeder Spieler pro Runde bekommt. Zunächst zu den Chips: diese darf man einsetzen, um in einer misslungenen Runde einen vierten Wurf zu ergattern. Statt der üblichen drei Versuche gibt’s also Nachschlag, allerdings nur einer pro Spielzug ist möglich. Also nicht alle drei Chips sind auf einmal einsetzbar. Wer jetzt wie von der Tarantel gestochen alte Ehrenkodexe vom Kniffel beschwört und vierte Würfe verteufelt, dem sei gesagt, dass durch den sechsten Würfel der Spielumfang gewaltig gestiegen und auch erheblich schwerer geworden ist. Also nix für ungut, aber die Chips sind lebensrettend.

Nun zum Highlight in rot, dem Dekaeder. Tja, der sechste Würfel kann nun ganz normal wie die anderen Würfel auch ins Spiel integriert werden, das heißt im Extremfall (nomen est omen), dass man einen Sechser-Kniffel (Kniffel extreme eben) oder eine extrem lange Straße (Highway) würfeln kann. Aber Achtung: die Wahrscheinlichkeitsquote bei einem Zehnerwürfel ist natürlich geringer als bei den normalen Sechsern. Das muss jeder im Spiel mit einplanen. Mehrere weitere Optionen ergeben sich durch die sechs Würfel: Drei Paare, Zwei Dreier, ein großes Full House (4 und 2 gleiche) oder zwei Paare, bei denen alle Augen zählen. Dazu kommen natürlich alle bekannten klassischen Anforderungen aus dem Original, wie Dreierpasch, Viererpasch, Full House oder Chance.

Richtig klasse ist die Idee eine Doppelchance einzuführen (Chance-Augenzahl wird einfach verdoppelt) sowie mit sechs Würfeln nicht mehr als 10 Punkte bzw. mehr als 33 Augen zu erwürfeln. Das ist deutlich einfacher gesagt als getan! Insgesamt macht das für den unteren Bereich einen Zuwachs von neun Zusatzoptionen. Auch im oberen Bonusbereich hat sich was getan, denn mit Hilfe des sechsten Würfels sind natürlich auch oben mehr Punkte zu erspielen, so dass sich der Gesamtwert für den Bonus von 63 auf 73 Punkte erhöht hat. Da auch der Bonus mit 45 gestiegen ist und auch die Punktevergabe im unteren Teil ordentlich hoch ist (Kniffel Extreme = 75; großes Full Hose = 45 etc.) sind Gesamtpunktzahlen am Ende von über 500 (bis über 700) an der Tagesordnung. Das fühlt man sich anfangs ein bisschen erschlagen, aber schon bald merkt man, was wichtig ist und wie man hohe Punktzahlen ergattert.

Nach einigen ersten Spielrunden bin ich komplett begeistert. Das Spiel ist eine hervorragende Erweiterung, die in jeder Situation durchdacht und ausgereift ist und aufgrund der Vertracktheit des Zehnerwürfels viel mehr Strategie bietet, als man das auf Anhieb erkennen kann. Es wird sicherlich noch einige Wochen dauern, bis man zu verlässlichen und wichtigen Kniffen kommt, an denen man sich bei dem Spiel orientiert: Wann man geschickt die Chips einsetzte, auf welche Anforderungen man als erstes verzichtet, denn man es denn muss, und so weiter.

Das Spiel kommt im praktischen Würfelturm, mit Bleistift, beiderseitig verwendbaren Blöcken und einer einfachen und logischen Spielanleitung daher. Für alles ist gesorgt. Wer sein heimisches Spielerepertoire mit diesem so kleinen, spielerisch aber so großen, preislich mehr als günstigem Spiel nicht erweitert, dem kann nicht mehr geholfen werden. Alle Kniffelfreunde müssen zuschlagen, ansonsten schlägt sie irgendwann das Gewissen. Extrem genial!

Marco Gerhards

Wir danken dem Verlag/Hersteller für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!