Full
Pipe
Daedalic
Entertainment
PC-Game
Hey Dude, was geht, ist so ein
typischer Szenespruch, den die älteren Semester nicht unbedingt verstehen müssen.
Für alle zur Erklärung: Der Dude ist der angloamerikanische Begriff für einen
Kumpel oder einen Typ. Also Kumpel, was geht? Tja, ich bin doch grad erst
aufgewacht, so wird der unser kleiner Freund, der das neue Computerspiel von
Daedalic Entertainment zum lustigen Abenteuer macht, antworten.
Sein Name, wen wundert das noch, ist Dude und genau so kommt er auch rüber.
Kumpelhaft, ein bisschen verpeilt und morgens ganz schön müde.
Kein großes Szenario zum Einstieg,
keine überschwängliche Grafikorgie zum Start, kein Blitzen, kein Flackern,
kein Bimbamborium. Dude liegt in seiner Kiste und träumt schlecht, währenddessen
klaut ihm eine Monsterhand einen seiner beiden Pantoffeln vor dem Bett und zieht
ihn diesen in den Abgrund. Dude wacht auf, reibt sich die Augen (ein Mensch ist
er deswegen aber nicht, muss man sich anschauen, um es zu verstehen) und schlüpft
traumwandlerisch sicher in Pantoffel Nummer Eins. Als er merkt, dass Nummer Zwei
nicht am gewohnten Platze steht, kriecht er unter sein Bett und, Schwupps,
rutscht er durch eine Röhre in das Kanalsystem der Unterwelt und den Schauplatz
dieses Comicadventures. Full Pipe, wir kommen.
Wie locker und leicht die Einführung,
die weniger als eine Minute dauert und völlig unspektakulär ist, so flockig
und simpel ist das Spiel. Komplette Steuerung über die Maus, Bewegungen,
Aktionen und Inventar sind kinderleicht aufzurufen und zu steuern. Und nun
gibt’s eben nichts Wichtigeres zu tun, als einen fehlenden Pantoffel zu
finden. Das ist sicherlich eines der ersten Highlights dieses Spieles:
unaufgeregtes Nichttun und sympathisches Alltagströdeln. Kein Supergangster,
der gestellt werden muss, keine Außerirdischen, die durch einen komplizierten
Mechanismus einer Pyramide in Mexiko kontaktiert werden müssen. Nein, ein
fehlende Pantoffel und ein schlaftrunkener Knubbel.
Produziert
wurde das Spielchen von den Machern, die auch schon mit „The Whispered
World“ und „Machinarium“ für Furore sorgten. Gerade letzteres erinnert in
seiner einfachen und unspektakulären, dafür aber um so spielbareren Art an das
neue Spiel. Vom Prinzip her handelt es sich um ein Adventure mit Rätseln und
Minispielen, wie es sie seit gut einem Jahrzehnt erfolgreich gibt: Gegenstände
sammeln, Gespräche führen (in dem Fall eher Gebrabbel führen, denn es sind
wie gesagt keine Menschen, sondern Knubbel, Monster oder bizarre Fabelwesen, mit
denen wir es hier zu tun haben), kombinieren und neue Räume entdecken.
Klassisch, sympathisch, gut.
Bereits
Ende 2003 übrigens kam Full Pipe schon auf den russischen Markt, der Künstler
Ivan Maximov entwarf diesen Leckerbissen, der nun komplett überarbeitet wurde
und die deutschen Fans sicherlich erfreuen wird. Als kleiner Leckerbissen
gibt’s ein Poster beim Kauf anbei, die Systemvorrausetzungen lassen alle
Herzen höher schlagen, denn nur geringe Anforderungen an die Rechnerleistungen
zwingen einen, wie sonst so oft, nicht dazu, direkt einen neuen
Hochleistungsrechner anzuschaffen, um spielen zu können. Wer also lachen, rätseln
und knuddeln, knobbeln oder knabbeln will (ein letzter Hinweis auf die skurrilen
und sehenswerten Animationen), der sollte hier unbedingt zuschlagen.
M. Gerhards
Wir danken dem Verlag/Hersteller für
die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!