Drachenwächter – Die Prophezeiung
PC-Fantasy-Abenteuer
Prime Games/Daedalic
Dem Drachen zur Ehre
Die guten alten Drachen spielen endlich mal wieder eine Hauptrolle und sind mitentscheidend für das Wohl der Menschheit. Wer jetzt so tut, als seien diese feuerspeienden Wesen doch die Ausgeburt der Phantasie schlechthin, der kennt die Geschichte neuzeitlicher Wissenschaft nicht. Eine nicht wenig überwältigende Entdeckung offenbart sich den meisten Ahnungslosen, wenn sie sich mal intensiver mit dem Werk des vielleicht größten Universalgenies aller Zeiten, nämlich Leonardo da Vinci, auseinandersetzen. Auf seinen vielen Zeichenskripten, in denen er der alten Welt die exotischen Tiere der gerade entdeckten neuen Welt aufmalt und ganz nebenbei auch die einheimischen Wesen anatomisch sauber und korrekt (das erste Mal in der Geschichte der bildenden Künste) feilbietet, da fehlt der Drache nicht. Nein! Wie selbstverständlich prangt er neben Eichhörnchen und Elefant, neben Giraffe und Wildschwein als Wesen, das den Erdball bevölkert. Ist doch mehr als interessant, oder genügt das noch nicht, um die Drachen aufzuwerten?
Wem dieser Einstieg jetzt nicht auf die Sprünge helfen konnte, der mag sich dann aber immerhin in zahlreichen Fantasyepen mit den Drachen auseinandersetzen - eine der besten Gelegenheiten bietet sich momentan beim Abenteuerspiel für PC und Mac, das den treffenden Titel Drachenwächter trägt und sich auf eine Romanvorlage von Falko Löffler beruft. Diesem ist mit der Drachenwächter-Trilogie ein beachteter literarischer Erfolg gelungen, deren ersten Teil, die Prophezeiung, wurde nun von Prime Games ins Spiel umgesetzt. Seit Anbeginn der Computerspiele keine leichte und nicht selten eine frustrierende Angelegenheit. Auf Anhieb fallen mir Batman für den Amiga und das großartige Indiana-Jones-Adventure als gelungene Beispiele ein, die in der Überzahl sich befindenden Negativbeispiele lassen wir aus Platzgründen lieber weg.
Nun also erneut ein Versuch von Buch zu Spiel. Die Screenshots versprechen eine ganze Menge, der atmosphärische Sound, die gelungene Sprachausgabe, die Spannung der Handlung, all das ist sehr gekonnt übertragen worden und macht das Spiel schon mal auf der sinnlichen Seite zu einem absoluten Hochgenuss. Spielerisch handelt es sich um eine Mischung aus Adventure und, naja, nennen wir es einmal Spielesammlung, denn zahlreiche Minispiele und kleine Rätsel gibt es auf dem Weg zu lösen. Grundsätzlich finde ich den Schub dieser Minispiele in neuester Zeit nicht sonderlich umwerfend, zu sehr zieht es einen aus der Atmosphäre heraus. Andererseits kommt man voran, und grade jüngere Spieler werden hier dran ihre besondere Freude haben.
Denn wer einmal in einem klassischen Adventure zum achtundneunzigsten Male den gleichen Raum durchsucht und nichts Neues findet, der kann ganz schön sauer werden und den Spielspaß verlieren. Bei der intuitiven Steuerung per Maus sowie der Struktur des Gameplays ist das hier eher ein Spiel zum gemütlichen Durchspielen – allerdings auf allerhöchstem Niveau und mit ganz viel fantastischer (im wahrsten sinne des Wortes) Atmosphäre. Mehrere Rollen nimmt der Spieler ein: es handelt sich um die klassische 2-Personen-Strategie, die Helden heißen Seld und Mesala.
Deren Ziel ist es, die Heimatinsel der Drachen zu erreichen und dort eine mysteriöse Prophezeiung zu erfüllen. Grund ist die Abkehr der Drachen aus dem Grenzland, das unsere beiden Helden bewohnen. Denn dadurch ist deren Heimat nicht mehr geschützt und fiese Dämonen plündern und verwüsten die Heimstatt unserer Helden. Und das alles nur, weil die Drachen nicht mehr da sind. Also los, helft in diesem herrlich ansehnlichen Spiel, die Drachen wiederzufinden. Vielleicht habt ihr dann bald auch eine ähnliche Einstellung wie Leonardo Da Vinci, denn der muss es ja schließlich wissen, oder nicht?
M. Gerhards
Wir danken dem Verlag/Hersteller für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!