Dominion
- Ein
Kartentraum - Das
vielleicht beste Spiel seit es Siedler gibt
Wer am Ende das größte Herrschaftsgebiet besitzt, ergattert die meisten Siegpunkte und gewinnt das Spiel. So hören sich wahrscheinlich beliebig viele Zielvorgaben von Brett- und Kartenspielen an, so dass damit kein besonderes Merkmal eines außergewöhnlichen Spiels gemeint ist. Es kann ja dieses faszinierende Spiel nichts dafür, dass die Zielvorgabe so unkompliziert lautet. Alle Karten müssen weg, ist ja auch nicht gerade spektakulär, und trotzdem gewinnt Mau Mau immer wieder die Herzen der Spieler. Viel wichtiger sind bei Dominion, dem Spiel des Jahres 2009 und dem Gewinner zahlreicher weiterer Preise, die einfachen, aber wunderbaren vielschichtigen Regeln und die sich daraus ergebenden Möglichkeiten, die den Spielspaß richtig schön anheizen.
Wie geht dieses Spiel? Vorneweg bemerkt: Auch wenn es in
einem großen Karton daherkommt und jeder beim Betrachten ein Brettspiel
vermutet, ist Dominion ein Kartenspiel; wenn auch mit vielen Karten und mit
besonderen Regeln. Die große Box braucht man also nicht wegen dem Spielbrett,
sondern wegen dem Platz für die 500 Karten, die anfangs erst einmal sauber
sortiert und in der Box platziert werden wollen. Hat man diese Ordnung
geschaffen, kann man immer wieder einfach darauf zurückgreifen.
Jeder Spieler erhält nun beim Start sein persönliches Deck, also seinen Kartenstapel. Der beinhaltet das Startanwesen, in Form von materiellem Besitz, der am Ende zum Sieg benötigt wird und das Geld, ebenfalls materieller Besitz, den ich aber während des Spiels brauche, um Aktionskarten zu kaufen, die mir das Spielen erleichtern werden. Mit zehn Karten geht es los, doch das persönliche Kartenset wird beständig erweitert und nur in seltenen Ausnahmefällen minimiert. Soll heißen: das ausgegebene Geld oder die gespielten Aktionskarten gelangen auf den persönlichen Ablagestapel und kommen nach Leerung des Nachziehstapels neu und gemischt wieder in den eigenen Umlauf.
Beim Spielen geht es reihum mit folgenden drei Phasen: Erstens, Aktionsphase; das heißt, eine der interessanten und hilfreichen Karten darf ausgespielt und die Aktion ausgeführt werden. Diese können weitere Aktionen ermöglichen, Geld einbringen oder Einkäufe erleichtern – lassen Sie sich überraschen, aber eins ist klar: diese Karten sind Gold wert und äußerst beliebt. Zweitens, Kaufphase; Geldkarten ausspielen und weitere Aktionskarten, Geld oder Königreichkarten (die Siegpunkte) erwerben. Drittens, Aufräumen; tja, nicht nur im Haushalt, sondern auch bei Dominion, ist das nicht unwichtig. Alle in diesem Zug benutzten Karten landen auf dem Ablagestapel, der nächste ist an der Reihe.
So weit das Grundsätzliche. Das Spannende und Tolle an
diesem Spiel ist die Möglichkeit, nahezu unendliche Kombinationen aus
10er-Aktionskarten-Sets zu spielen. Soll heißen: Abgesehen von den ersten
Spielen, in denen sich die Vorgabe des 10er-Sets, die der Hans im Glück Verlag,
der sich für die Produktion verantwortlich zeigen darf, empfiehlt, kann man die
Spieloptionen aus den vielen Aktionskarten auswählen. Ein paar weitere
vorgeschlagene Sets wie „Interaktion“ oder „Wandel“ finden sich noch in
der Spielbeschreibung, alles andere ist dann free
choice.
Zahlreiche Spieletests ergeben folgendes Urteil: Dominion ist unglaublich abwechslungsreich, und sollte man, was hier noch nicht vorgekommen ist, mal alle Aktionskarten, die ja das Salz dieser Suppe sind, auswendig kennen und integrieren können, dann kann man es ja mit Zusatzkarten und Erweiterungssets probieren, die für ein solch erfolgreiches Spiel natürlich wie Pilze nachgeschossen kommen und schon gekommen sind. Manch einzelne dieser Karten erlangte so zu Kultstatus wie eine Mickey-Mantle-Karte in den USA (für die Nichtkenner: berühmter Baseballspieler, bestimmte Karten, so etwas wie die Panini-Bilder der USA, sind ab einer Million Dollar zu haben). Aber hier wird nicht gesammelt, sondern gespielt und interagiert. Toll auch, dass es ganz egal ist, ob man zu zweit, zu dritt oder viert spielt - der Spaß ist uneingeschränkt. Wenig toll ist an dem Spiel meines Erachtens nichts. Wer etwas findet, mag sich bitte melden, ich werde den Kritiker schon widerlegen und weiter an meinem Königreich bauen.
Marco Gerhards
Wir danken dem Verlag/Hersteller für
die freundliche Bereistellung eines Rezensionsexemplars!