Die goldene Stadt
Brettspiel
Kosmos-Spiele
Es ist schon eine außerordentliche Leistung, wenn man als Spieleerfinder, der noch gar nicht allzu lange im Geschäft ist, einen Eintrag bei Wikipedia erhält, der nicht von den allzu strengen Administratoren von der Oberfläche gespült wird. Michael Schacht darf dort bleiben und seine Vita wird getragen von den zahlreichen Spielideen und –veröffentlichungen, die er seit Kontor, seinem ersten Spiel 1999, kreiert hat. Sein Highlight war bis dato, dass zum Spiel des Jahres auserkorene Zooloretto von 2007, eine kinderliebe und herzensgute, strategisch erfrischende und äußerst spannende Melange aus Plättchen und Brettchen. Sehr fein also, und so sind die Erwartungen an dieses Spiel entsprechend groß.
Die goldene Stadt ist ja bekanntermaßen das nun wirklich sehr goldige Prag im Herzen Europas. Doch der Vergleich zum Spiel hinkt, denn wirkt im tschechischen Original die Metapher ist es im Spiel, wie könnte es bei all der Phantasie- und Zauberkunst im Spielereich auch anders sein, das tatsächliche Metall, das güldne Licht der Ewigkeit, dass im Zentrum der Insel liegt, die unser Spielbrett hergibt und die Arbeitsfeld unseres Auftrages ist.
Wie funktionierts? Jede Runde bestimmen Wertungskarten, was punktet: Mal sind es Bauten am Fluss oder in bestimmten Landschaften, mal der Besitz von Waren sowie Häusern und Bonuskarten. Ziel dahinter, klar: Siedeln, und Siegpunkte ergattern. Ein Prinzip, dass jeder Spieler liebt, liebt es doch jeder zu siedeln (oder gibt es jemanden, der das nicht tut?). Gebaut wird demzufolge mit Karten und jede neue Immobilie bringt sofort einen Vorteil, der anhand eines Symbols auf dem Bauplatz abzulesen ist: Dies können wiederum Waren, weitere Bonuskarten oder auch Geld sein, was benötigt wird, um Landschaftskarten zu erwerben.
Alles also ganz wunderbar und wie wir es von anderen Spiel kennen: Karten sammeln, Häuser bauen, das vortreffliche Layout genießen, die klaren Spielregeln goutieren, die Freunde zum Kampf herausfordern, die Revanche zum Nicht-auf-sich-sitzen-lassen. Der Einstieg in dieses Spiel gelingt wunderbar, aufgrund der vielen Kombinationsmöglichkeiten und strategischen Kniffe ist jedes Match anders und die Möglichkeit sich gegenüber dem Führenden zu verbünden außerordentlich groß, was die Spiele extraspannend und bisweilen auch extra kämpferisch macht. So soll es ja sein, wenn es um die begehrten Siegpunkte geht.
Alles in allem bleibt Die goldene Stadt ein gelungenes Spiel fürs Miteinander, fürs Genießen und vor allen Dingen fürs Eintauchen in neue Welten. Natürlich sind die Spielprinzipien bei den bekannten Klassikern vorgelebt, es ist also keine Neuerfindung, aber die Gelegenheit zum Imaginieren und darüber hinaus zum Konstruieren, Handeln, Planen, Hoffen und Bangen, kann man wohl nur dann sinnvoll umsetzen, wenn man bei Wikipedia zu finden ist. Oder kannst du es auch?
M. Gerhards
Wir danken dem Verlag/Hersteller für die freundliche Bereistellung eines Rezensionsexemplars!