In Colloseum schlüpfen die Mitspieler in die Rolle eines römischen Impressario, dessen Bemühen es ist, mit großen
Veranstaltungen und unübertrefflichen Darbietungen die meisten Zuschauer in seine Arena zu locken.
Bevor man zur Tat schreiten kann, muss man sich jedoch durch die auf den ersten Blick umfangreiche
Anleitung kämpfen. Jedoch ist das Spiel nicht so komplex, wie es anfangs erscheint. Viele grafische
Erklärungen erleichtern außerdem den Einstieg ins Spielgeschehen.
Das Ziel des Spieles ist - wie bereits erwähnt - durch möglichst außergewöhnliche Aufführungen viele Besucher
in die eigene Arena zu locken. Dies verhilft zu Ruhm und Reichtum, und dieses Geld kann in weitere noch aufwendigere Spektakel
investiert werden.
Sieger ist der Spieler, der mit einer seiner maximal 5 Aufführungen die meisten Zuschauer in
seine Arena locken konnte.
Zu Beginn der Partie bekommt jeder Mitspieler 2 Programmkarten (Darbietungen), eine nach Anzahl der
Spieler gestaffelte Anzahl Spektakelplättchen, Münzen im Wert von 30 sowie 2 Arena-Bauteile seiner
Farbe. Die Rekordsteine der Spieler werden auf das Startfeld 0 gestellt.
Die Arenen werden auf den entsprechenden Feldern des Spielplanes plaziert, ebenso die Adeligen-Figuren
(Kaiser, Konsule und Senatoren). Die fünf Marktfelder des Planes werden mit Spektakelplättchen gefüllt.
Eine Spielrunde läuft über 5 Spielphasen:
Phase 1: Investieren
Folgende Investitionsmöglichkeiten stehen zur Verfügung:
Phase 2: Spektakelplättchen erwerben.
Um die Veranstaltungen aufführen zu können, benötigt man bestimmte Spektakelplättchen. Es gibt
derer 12 normale Arten in unterschiedlicher Häufigkeit und 3 besondere Arten für spezielle
Aktionen. In dieser Spielphase können die Plättchen ersteigert werden.
Der Verlauf einer Auktion:
Der Startspieler wählt als erster aktiver Spieler einen der fünf Märkte des Spielplanes zur Versteigerung
aus. Auf diesen Märkten befinden sich jeweils 3 Spektakelplättchen. Das Startgebot muss mindestens
8 Münzen betragen. Reihum kann nun gesteigert werden, bis alle außer einem gepasst haben. Wer
erfolgreich einen Markt ersteigert hat, scheidet aus den zukünftigen Versteigerungen dieser Runde
aus (hier gibt es inzwischen eine Alternativ-Regel, die mehrere Ersteigerungen pro Spieler zulassen!).
Unter bestimmten Kritierien wird der Markt wieder aufgefüllt oder freigelassen, und die nächste
Versteigerung beginnt, bis jeder Spieler die Möglichkeit hatte eine Bietrunde zu beginnen.
Phase 3: Mit Spektakelplättchen handeln.
In dieser Phase können die Spieler untereinander ihre Spektakelplättchen tauschen oder verkaufen.
Phase 4: Veranstaltung aufführen.
In dieser Phase können nun endlich die Schauspiele auffgeführt werden. Sie ist unterteilt in
3 Aktionen:
Aktion 1: Senatoren, Konsuln und Kaiser bewegen.
Vor der Aufführung versuchen die Spieler, die Adeligen in ihre Arenen zu bewegen. Jeder Adelige
bringt zusätzliche Zuschauer, der Kaiser 7, ein Konsul 5 und ein Senator 3 Zuschauer. Die Adeligen
werden durch einen oder zwei Würfel im Uhrzeigersinn bewegt. Hat ein Spieler eine Kaiserloge in
seiner Arena, kann er zwei Würfel nutzen (und diesen Wurf auch auf zwei Adelige anwenden!) Oberstes
Ziel ist es natürlich, die Adeligen in die eigenen Stadien zu lotsen. Aber auch das Beendigen
des Adeligen-Zuges auf einem sogenannten Ruhefeld kann wichtig sein, denn so kommt man an die
begehrten Kaiser-Medaillen.
Aktion 2: Schauspiel darbieten.
Endlich, endlich!! Es ist soweit! Man darf sein Schauspiel darbieten.
Der Spieler nennt den Namen der Veranstaltung, legt die entsprechende Programmkarte mitsamt
den benötigten Spektakelplättchen für alle sichtbar bereit. Man muss nicht zwangsweise alle angegebenen
Plättchen besitzen, doch der Wert des Schauspieles (und dadurch auch die Anzahl der Besucher) vermindert
sich mit jedem fehlenden Spektakelplättchen.
Dasselbe Schauspiel kann mehrere Runden hintereinander aufgeführt werden, führt man jedoch ein neues
Spektakel auf, wird die alte Veranstaltung umgedreht und bringt jeweils 5 zusätzliche Besucher.
Aktion 3: Besucher zählen
Besucher der aktuellen Aufführung
+ evtl. jeweils 5 Besucher für verdeckte alte Aufführungen
+ 5 Besucher für jeden vorhandenen Luxusplatz in der Arena
+ 3 Besucher für jedes in früheren Runden gewonnene Podium (wird weiter hinten erklärt)
+ Besucher für jeden im eigenen Stadion anwesenden Adeligen
+ 4 Besucher für jeden eingesetzten Star (wird weiter hinten erklärt)
+ 3 Besucher für jede während der Aufführung gespielte Kaiser-Medaille (genauere Erklärung folgt noch).
Dies alle addiert ergibt die Zahl, die der Rekordstein des betreffenden Spielers auf der Skala vorrücken darf (Anmerkung:
Ergebnisse späterer Aufführungen werden nicht dazuaddiert, sondern der Rekordstein zeigt immer
das Ergebnis der erfolgreichsten Veranstaltung an!!). Die erreichte Zahl erhält man in Münzen ausgezahlt.
Phase 5: Abschlusszeremonie (entfällt in Runde 5).
1. Podium: Wer in der aktuellen Runde den Zuschauerrekord hält, bekommt zur Belohnung ein Podium
(bringt bei späteren Aufführungen +3 Besucher)
2. Aufräumarbeiten: Jeder muss ein benutztes Spektakelplättchen abgeben.
3. Schenkung: Der Spieler auf der niedrigsten Position bekommt von dem Gewinner des Podiums ein
Spektakelplättchen der gewünschten Art.
Weitere wichtige Punkte:
Spektakelplättchen Sonderkarten:
- Joker: Kann anstatt jeder belieben Art von Spektakelplättchen eingesetzt werden
- Kaiser: Wird sofort gegen eine Kaiser-Medaille getauscht
- Zusatzaktion: Kann auf zwei Arten eingesetzt werden - entweder kann man in der Investitionsphase
damit ein zweites mal investieren oder es kann jederzeit gegen eine Kaiser-Medaille eingetauscht werden
Kaiser-Medaillen:
Ein Spieler erhält eine Kaiser-Medaille wenn er einen Adeligen auf ein Ruhefeld zieht oder eines
der o.g. Sonderkärtchen dagegen eintauscht. Die Kaiser-Medaille berechtigt zu einer der folgenden
4 Möglichkeiten:
1. Bei einer Aufführung 3 zusätzliche Besucher in die Arena locken
2. Einen beliebigen Adeligen 1-3 Felder vorwärts oder rückwärts (!) ziehen
3. Tausch gegen Münzen im Wert von 6
4. Durch Eintauschen von 2 Kaiser-Medaillen kann man in Phase 1 eine zweite Investition tätigen
Star-Karten:
Für Mehrheiten an Spektakelplättchen (mindestens jedoch 3) bekommt der Spieler die zugehörige
Star-Karte. Sollte bei einer Aufführung die entsprechende Art von Spektakelplättchen beteiligt sein,
kann der Star eingesetzt werden und bringt 4 zusätzliche Besucher.
Spielgefühl
Die umfangreiche Regel übersichtlich abzukürzen fällt schwer, wenn man einen halbwegs gelungenen
Spielüberblick widergeben möchte. Dennoch sollte sich niemand von der auf den ersten Blick scheinbaren
Komplexität des Spieles abschrecken lassen. Wenn man erst einmal in den Ablauf hineingefunden hat und
die Feinheit sämtlicher möglichen Spielaktionen ausprobieren und für sich entdecken konnte, bietet
Colosseum einen wiederkehrenden Spielreiz und bleibt auch spannend bis zur letzten Sekunde. Die angegebene
Spieldauer ist durchaus optimistisch (realistischer ist 120 Minuten aufwärts), dennoch kommt niemals Langeweile auf.
Schnell kann sich der gesamte Spielverlauf ändern und selbst wer in Runde 4 noch
aussichtslos zurücklag,
kann in der letzten Runde mit einer gelungenen Aufführung in Führung gehen und gewinnen.
Es muss noch erwähnt werden, dass die uns vorliegende Spielanleitung in einzelnen Punkten unklar ist. Abhilfe schafften
hier Nachfragen beim Verlag, die sehr geduldig und schnell beantwortet wurden. Auch in den üblichen Spieleforen und
im Forum des Verlages wird den Ratlosen geholfen. Dennoch hätte dies bereits bei der
Regelausarbeitung
auffallen sollen. Vielleicht werden die Mäkel in späteren Auflagen beseitigt.
Etwas unglücklich ist auch die Beschaffenheit
der Würfel; weiße Zahlen auf hellen Würfeln stellen die Augen vor ungewöhnliche Beanspruchung, besonders
im abendlichen Lampenlicht.
Fazit
Mit Colosseum liegt ein Spiel vor, dass sicherlich ein Highlight des Spielejahrganges 2007 darstellt.
Dass es nicht in die Nominierungsliste zum Spiel des Jahres kommen würde, war
fast abzusehen, da es als Familienspiel nur bedingt tauglich
scheint (offenbare Komplexität, Spieldauer, Regelunklarheiten). Verdient hätte es
diese Nominierung allemal gehabt. In unseren Spielerunden kam es sehr gut an und wird auch künftig immer wieder auf den Tisch kommen.
Wir bedanken uns beim Verlag für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.