20.000 Meilen unter dem Meer
Prime Games – Daedalic Entertainment
PC-Spiel
Meereswunderwelt
Eine ozeanische Augenweide
„Vingt mille
lieues sous les mers“ kann man fast noch mit dem Schulfranzösisch übersetzen
und wer es noch nicht getan hat, dem sei gesagt, dass wir uns auf der Nautilus
befinden, jenem sagenhaften U-Boot, das von Kapitän Nemo, dem nicht minder
sagenhaften Prototyp aller nach Macht strebender Schiffsführer geleitet wird.
Jules Verne war 1870 dafür verantwortlich, dass dieser packende Abenteuerroman
erfolgreich das Licht der literarischen Welt erblickte. Wie so oft bei Verne,
war die sprachliche Poesie äußerst beschränkt, nur um auf der inhaltlichen
Seite, der Idee und des Plots, Millionenverkäufe und zahlreiche Nachahmer zu
bekommen.
Einer davon ist
jetzt als PC-Spiel erhältlich. In Form eines Suchbild-(oder
Wimmelbild-)Abenteuers, die die klassische Adventurevorlage seit einigen Jahren
nutzen, um dieses neue Genre, dass sich mehr durch visuelle Recherche und
logische Kombinationsspiele auszeichnet, anstatt durch ewiges durch die Gänge
und Räume laufen, um letztlich an den Aufgaben zu verzweifeln. Nun gut,
kinderleicht ist das auch nicht, aber es stellt doch ganz andere Anforderungen
an die Spieler.
Das Schöne an
diesen Spielen, gerade von Daedalic entertainment, ist erst einmal die fehlende
Altersbeschränkung. Gut so, denn damit ist allen der Spielspaß ermöglicht und
gerade junge Gamer können sich so unkompliziert und sex- und gewaltfrei an
klassische Abenteuergeschichten heranwagen. Gesucht wird selbstverständlich
unter Wasser, in Algenwäldern und Korallenriffs, aber auch im Inneren des
U-Bootes, welches Jules Verne, man kann das ruhig erwähnen, mit seinem Roman
gewissermaßen mit erfunden hat. Die grafische Umsetzung der Szenarien ist, wie
man das bereits von anderen Spielen des Herstellers kennt, hervorragend und genügt
den allerhöchsten Ansprüchen, das Auge isst eben mit und ist zudem ja ein
gewichtiger Faktor im Erleben dieser persönliche Abenteuerreise.
Der Spieler selbst
übernimmt die Rolle des Wissenschaftlers Pierre Arronax, der, auch das macht
dieses Spiel sympathisch, nicht alleine gegen das Geheimnis des Meeres und des
Kapitäns forscht, sondern mit Diener Conseil und Harpunier Ned-Land um die
Wette rätselt. Gemeinsam sind wir stark sozusagen, und als pädagogischer Trick
für dieses Spiel ausgezeichnet integriert. Alleine kann man eben gegen die
gigantischen Unterwasserwesen, wie Riesenkraken, nicht bestehen.
Das Spiel selbst
ist trotz der opulenten technischen Leistungen in Sachen Grafik und Sound sehr
schmal und kommt mit wenig RAM und Prozessorleistung aus. Auch das ein nicht zu
unterschätzenden Kaufanreiz im Markt der anscheinend täglich steigenden
Anforderungen der Systeme. Rundum glücklich, zumindest für die weniger
ehrgeizigen unter den Spielen, macht abschließend die Hot-Button-Funktion, eine
Möglichkeit bei aussichtslosen Situationen auf die Hilfe der Programmierer zurückzugreifen
und zu schauen, was eventuell vergessen wurde oder was in einem der zahlreichen
Minispiele falsch gemacht wurde.
Fazit: Die
Suchbildabenteuer haben sich mittlerweile emanzipiert und sind vom reinen
visuellen Auffinden zu einem multikomplexen Spielgeschehen geworden, mit
fesselnder Story, vielen Minispielen und Kombinationsgeschick, was vor allen
Dingen für jüngere Spieler wichtig und grundlegend sein darf. Weiter so.
Marco Gerhards
Wir danken dem Verlag/Hersteller für die freundliche Bereistellung eines Rezensionsexemplars!